9.3 Doppelspaltexperiment
Quelle: Themenpool §9 · Mitschrift §6.4
Aufbau und klassische Fälle siehe Thema 4. Hier der Quanten-Aspekt:

Abbildung: Quanten-Doppelspalt — einzelne Photonen treffen punktförmig auf; die statistische Verteilung vieler Treffer ergibt das Interferenzmuster.
Sendet man einzelne Quantenobjekte (Photonen, Elektronen, Neutronen, Atome, Moleküle bis ~1000 Atome): zuerst nur ein Punkt, nach vielen das volle Interferenzmuster. Das Photon „nimmt beide Wege gleichzeitig" (Superposition) und interferiert mit sich selbst — es teilt sich nicht, aber es gibt nichts anderes, womit es wechselwirken könnte.
Argument gegen das reine Wellenbild: Klassisch könnte man die Intensität beliebig klein drehen; schießt man wirklich ein Photon, trifft es nur an einem Ort — und trotzdem entsteht im Mittel das Muster.
Wellenfunktion und Wahrscheinlichkeit
Jedem Quantenobjekt ordnet man eine Wellenfunktion
Warum das Betragsquadrat
Warum gerade die Superposition das Muster erzeugt
Hier liegt der Kern des Quanten-Doppelspalts. Wir vergleichen, was addiert wird:
- Geht das Teilchen durch beide Spalte gleichzeitig (Weg 1 und Weg 2, niemand misst den Weg), so überlagern sich die beiden Amplituden:
. - Die Wahrscheinlichkeit ist dann das Betragsquadrat der Summe:
- Der Interferenzterm ist das Entscheidende: Je nach Phase
ist er positiv (heller Streifen, konstruktiv) oder negativ (dunkler Streifen, destruktiv). Genau dieser Term erzeugt das Streifenmuster.
Warum ein Welcher-Weg-Detektor das Muster zerstört
Ein Welcher-Weg-Detektor misst, durch welchen Spalt das Teilchen ging. Sobald der Weg bekannt (oder auch nur prinzipiell bestimmbar) ist, ändert sich die Rechnung grundlegend:
- Die beiden Wege sind jetzt unterscheidbar und schließen sich gegenseitig aus — das Teilchen ging entweder durch 1 oder durch 2. Es gibt keine gemeinsame Amplitude
mehr. - Dann addieren sich nicht die Amplituden, sondern direkt die Wahrscheinlichkeiten:
- Ohne Interferenzterm verschwindet das Streifenmuster — man sieht nur noch zwei verschmierte Häufungen (wie bei klassischen Teilchen).
Mechanismus dahinter: Um den Weg zu messen, muss der Detektor mit dem Teilchen wechselwirken und seine Weginformation in der Umgebung „abspeichern". Damit verschränkt sich das Teilchen mit dem Messgerät — seine Wellenfunktion kollabiert bzw. verliert die feste Phasenbeziehung zwischen den Wegen (→ Dekohärenz, §9.4). ✎ Man bekommt entweder Weginformation oder Interferenz — nie beides. Das ist kein technisches Problem, sondern Prinzip.